Warum industrielle Fachkräfteentwicklung zum Standortfaktor wird

Lang­fris­ti­ge indus­tri­el­le Leis­tungs­fä­hig­keit hängt wesent­lich davon ab, ob genü­gend Fach­kräf­te ver­füg­bar sind, wel­che rea­le Pro­zes­se sicher beherr­schen und unter ope­ra­ti­ven Bedin­gun­gen zuver­läs­sig arbei­ten kön­nen. Genau dar­in liegt die stra­te­gi­sche Bedeu­tung von Berufs­bil­dung.

Hoch­schu­len allein rei­chen dafür nicht aus. Ent­schei­dend sind belast­ba­re Bil­dungs­sys­te­me, wel­che indus­trie­ein­satz­fä­hi­ge Fach­kräf­te unter rea­len Bedin­gun­gen ent­wi­ckeln kön­nen. Ob die­se Fähig­keit tat­säch­lich vor­han­den ist, zeigt sich meist erst dort, wo Qua­li­tät im indus­tri­el­len All­tag dau­er­haft funk­tio­nie­ren muss.

Das eigentliche Missverständnis dualer Bildungssysteme

Das Schwei­zer dua­le Berufs­bil­dungs­sys­tem wird inter­na­tio­nal häu­fig auf die Kom­bi­na­ti­on von Schu­le und Betrieb redu­ziert. Genau dort liegt jedoch ein grund­le­gen­des Miss­ver­ständ­nis. Die eigent­li­che Stär­ke des Sys­tems ent­steht nicht durch das Modell allein, son­dern durch die Struk­tur dahin­ter:

  • kla­re Ver­ant­wort­lich­kei­ten
  • stan­dar­di­sier­te Kom­pe­tenz­rah­men
  • enge Zusam­men­ar­beit mit der Wirt­schaft
  • Berufs­bild­ner und Trai­ner, wel­che Kom­pe­tenz­ent­wick­lung im rea­len Arbeits­pro­zess absi­chern.
Studierende und Trainer im Solar Lab der BSDU während einer praxisorientierten technischen Trainingseinheit unter realitätsnahen Bedingungen.
Pra­xis­na­he Lern­um­ge­bung im Bereich erneu­er­ba­re Ener­gien und tech­ni­sche Fach­kräf­te­ent­wick­lung an der Bhar­ti­ya Skill Deve­lo­p­ment Uni­ver­si­ty.

Fach­kom­pe­tenz ent­steht nicht auto­ma­tisch durch Unter­richt. Sie ent­wi­ckelt sich dort, wo Ler­nen­de rea­le Auf­ga­ben bear­bei­ten, Feh­ler kor­ri­gie­ren, Ver­ant­wor­tung über­neh­men und ihre Leis­tung unter ver­gleich­ba­ren Bedin­gun­gen wie­der­holt nach­wei­sen müs­sen, bei­spiels­wei­se in offi­zi­el­len Skill Wett­be­wer­ben wie den India Skills.

Genau dar­in liegt einer der zen­tra­len Unter­schie­de zwi­schen sicht­ba­ren Aus­bil­dungs­mo­del­len und tat­säch­lich funk­tio­nie­ren­den Berufs­bil­dungs­sys­te­men. Vie­le Bil­dungs­sys­te­me über­neh­men die sicht­ba­re Struk­tur dua­ler Aus­bil­dung. Schwie­ri­ger ist der Auf­bau jener insti­tu­tio­nel­len Dis­zi­plin, wel­che Kom­pe­tenz­ent­wick­lung unter rea­len indus­tri­el­len Bedin­gun­gen dau­er­haft absi­chert.

Warum Systemtransfer oft scheitert

Genau die­se Fähig­keit zur repro­du­zier­ba­ren Kom­pe­tenz­ent­wick­lung ent­steht nicht zufäl­lig. Sie ist das Resul­tat lang­fris­tig ent­wi­ckel­ter Struk­tu­ren, kla­rer Ver­ant­wort­lich­kei­ten und einer engen Ver­bin­dung zwi­schen Bil­dung und rea­ler Arbeits­welt.

Des­halb las­sen sich funk­tio­nie­ren­de Berufs­bil­dungs­sys­te­me nicht ein­fach expor­tie­ren. Vie­le Län­der über­neh­men sicht­ba­re Ele­men­te dua­ler Bil­dungs­sys­te­me, ohne die zugrun­de lie­gen­de Funk­ti­ons­lo­gik auf­zu­bau­en. Vie­le Sys­te­me über­neh­men die sicht­ba­re Archi­tek­tur dua­ler Aus­bil­dung. Schwie­ri­ger ist der Auf­bau jener insti­tu­tio­nel­len Sta­bi­li­tät, wel­che Kom­pe­tenz­ent­wick­lung unter rea­len indus­tri­el­len Bedin­gun­gen dau­er­haft repro­du­zier­bar macht.

Genau dar­an schei­tern zahl­rei­che Trans­fer­an­sät­ze.

Indien und die Frage der industriellen Kompetenzentwicklung

Für Indi­en wird die­se Fra­ge zuneh­mend rele­vant. Mit der Natio­nal Edu­ca­ti­on Poli­cy 2020 und der Ent­wick­lungs­vi­si­on „Vik­sit Bha­rat 2047“ wächst der Druck, Bil­dung stär­ker mit Indus­trie, Employa­bi­li­ty und wirt­schaft­li­cher Ent­wick­lung zu ver­bin­den.

Die eigent­li­che Her­aus­for­de­rung liegt jedoch nicht in Stra­te­gien oder poli­ti­schen Pro­gram­men. Ent­schei­dend ist, ob Insti­tu­tio­nen Kom­pe­tenz­ent­wick­lung unter rea­len Bedin­gun­gen dau­er­haft orga­ni­sie­ren kön­nen.

DualEdu Bridge India als Adaptionsansatz

Genau an die­sem Punkt setzt das Pro­jekt Dua­lEdu Bridge India an.

Der Ansatz ver­steht Sys­tem­trans­fer nicht als Kopie eines aus­län­di­schen Modells. Im Zen­trum steht die Fra­ge, wel­che Prin­zi­pi­en unter den indus­tri­el­len, wirt­schaft­li­chen und insti­tu­tio­nel­len Bedin­gun­gen Indi­ens tat­säch­lich funk­tio­nie­ren.

Dazu gehö­ren Work Based Lear­ning, Lern­ort­in­te­gra­ti­on und die direk­te Ver­bin­dung zwi­schen Aus­bil­dung und rea­len Arbeits­pro­zes­sen. Arbeits­platz­in­te­grier­tes Ler­nen erhöht nicht nur die Pra­xis­nä­he. Es redu­ziert die Distanz zwi­schen Aus­bil­dung und indus­tri­el­ler Rea­li­tät.

Fachkräfteentwicklung wird zum Wettbewerbsfaktor

Ver­läss­li­che Fach­kräf­te­ent­wick­lung ent­wi­ckelt sich damit zuneh­mend zu einem stra­te­gi­schen Stand­ort­fak­tor.

Inter­na­tio­na­le Unter­neh­men bewer­ten Stand­or­te längst nicht mehr nur nach Pro­duk­ti­ons­kos­ten. Ent­schei­dend wird, ob aus­rei­chend qua­li­fi­zier­te Fach­kräf­te ver­füg­bar sind, wel­che indus­tri­el­le Qua­li­tät lang­fris­tig absi­chern kön­nen.

Gera­de dar­in liegt heu­te einer der gröss­ten Unter­schie­de zwi­schen schnell wach­sen­der Wirt­schaft und lang­fris­tig sta­bi­ler Indus­tria­li­sie­rung.

Die eigentliche Bewährungsprobe

Die kom­men­den Jah­re wer­den zei­gen, wel­che Insti­tu­tio­nen Bil­dungs­struk­tu­ren auf­bau­en kön­nen, die lang­fris­tig trag­fä­hig blei­ben.

Ent­schei­dend wird nicht die Anzahl neu­er Pro­gram­me oder Part­ner­schaf­ten sein, son­dern ob Ler­nen­de ihre Kom­pe­ten­zen unter rea­len Bedin­gun­gen nach­wei­sen kön­nen. Vie­le Bil­dungs­sys­te­me wir­ken in der Pla­nungs­pha­se über­zeu­gend. Ihre tat­säch­li­che Qua­li­tät zeigt sich jedoch erst im ope­ra­ti­ven All­tag, wo Akzep­tanz, Zusam­men­ar­beit und kul­tu­rell gepräg­te Arbeits­wei­sen die lang­fris­ti­ge Sta­bi­li­tät wesent­lich beein­flus­sen.

Nach­hal­ti­ge indus­tri­el­le Fach­kräf­te­ent­wick­lung ent­steht nicht kurz­fris­tig. Sie ent­wi­ckelt sich schritt­wei­se durch funk­tio­nie­ren­de Struk­tu­ren und die Fähig­keit, rea­le wirt­schaft­li­che und indus­tri­el­le Bedin­gun­gen dau­er­haft ein­zu­be­zie­hen. Lang­fris­tig wer­den jene Insti­tu­tio­nen an Bedeu­tung gewin­nen, wel­che nicht pri­mär Model­le kopie­ren, son­dern eige­ne trag­fä­hi­ge Lösun­gen ent­wi­ckeln kön­nen.


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JCF Pro­gram­me Team
Rajen­dra and Ursu­la Joshi Foun­da­ti­on / Dua­lEdu Bridge India

Rolf Sie­bold

Wei­te­re Ein­bli­cke in die Ent­wick­lung von Skill Uni­ver­si­ties und pra­xis­ori­en­tier­ter Hoch­schul­bil­dung fin­den Sie auf der Lin­ke­dIn-Sei­te von Dua­lEdu Bridge India.