Eine grundlegende Frage

Bil­dungs­re­for­men begin­nen häu­fig mit der Über­ar­bei­tung von Cur­ri­cu­la. Das ist nach­voll­zieh­bar. Cur­ri­cu­la defi­nie­ren, wel­che Kom­pe­ten­zen Stu­die­ren­de erwer­ben sol­len. Weni­ger offen­sicht­lich ist jedoch, wodurch aus die­sem Ler­nen tat­säch­lich Gra­dua­te Com­pe­ten­ci­es und Gra­dua­te Employa­bi­li­ty ent­ste­hen.

Der tech­no­lo­gi­sche Wan­del, Künst­li­che Intel­li­genz und sich ver­än­dern­de Kom­pe­tenz­pro­fi­le füh­ren welt­weit dazu, dass Cur­ri­cu­la über­ar­bei­tet, Lear­ning Out­co­mes wei­ter­ent­wi­ckelt und Assess­ment­ver­fah­ren ange­passt wer­den.

Die­se Ent­wick­lun­gen sind unver­zicht­bar. Sie erklä­ren jedoch nur einen Teil der Bil­dungs­qua­li­tät.

Ein Cur­ri­cu­lum beschreibt, was Stu­die­ren­de ler­nen sol­len. Es erklärt jedoch nicht, wes­halb Insti­tu­tio­nen mit ver­gleich­ba­ren Cur­ri­cu­la teil­wei­se sehr unter­schied­li­che Ergeb­nis­se hin­sicht­lich Gra­dua­te Com­pe­ten­ci­es und Gra­dua­te Employa­bi­li­ty erzie­len.

Die eigent­li­che Fra­ge lau­tet des­halb:

Unter wel­chen insti­tu­tio­nel­len Vor­aus­set­zun­gen ent­ste­hen Gra­dua­te Com­pe­ten­ci­es und Gra­dua­te Employa­bi­li­ty?

Die inter­na­tio­na­le Bil­dungs­for­schung beschäf­tigt sich seit Jah­ren mit der Fra­ge, wes­halb ver­gleich­ba­re Refor­men an unter­schied­li­chen Insti­tu­tio­nen zu unter­schied­li­chen Ergeb­nis­sen füh­ren. Dabei rich­tet sich der Blick zuneh­mend auf die insti­tu­tio­nel­len Vor­aus­set­zun­gen erfolg­rei­cher Bil­dungs­ent­wick­lung.

Vom Curriculum zur Institution

Die OECD weist in ihrem Poli­cy Paper Eco­sys­tems Approach to Cur­ri­cu­lum Chan­ge (2026) dar­auf hin, dass der Erfolg von Cur­ri­cu­lum-Refor­men wesent­lich vom insti­tu­tio­nel­len Umfeld abhängt, in dem Cur­ri­cu­la ent­wi­ckelt, umge­setzt und kon­ti­nu­ier­lich wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den. (OECD, 2026)

Die Arbei­ten von Micha­el Ful­lan zei­gen zudem, dass nach­hal­ti­ge Bil­dungs­ent­wick­lung als kohä­ren­ter insti­tu­tio­nel­ler Ver­än­de­rungs­pro­zess ver­stan­den wer­den kann, in dem die Wir­kung nicht aus ein­zel­nen Reform­ele­men­ten, son­dern aus ihrem abge­stimm­ten Zusam­men­wir­ken ent­steht (Ful­lan, 2007; Ful­lan, 2011; Ful­lan & Quinn, 2016).

Damit erwei­tert sich die obi­ge Fra­ge­stel­lung, denn nicht allein die Qua­li­tät eines Cur­ri­cu­lums ist von Bedeu­tung. Eben­so rele­vant sind die insti­tu­tio­nel­len Vor­aus­set­zun­gen, unter denen ein Cur­ri­cu­lum sei­ne Wir­kung effek­tiv ent­fal­ten kann.

Die Bedeutung institutioneller Beziehungen

Kom­ple­xe Insti­tu­tio­nen las­sen sich nur begrenzt durch die Ana­ly­se ihrer ein­zel­nen Bestand­tei­le ver­ste­hen. Ihre Leis­tungs­fä­hig­keit ent­steht aus dem Zusam­men­spiel ihrer Ele­men­te.

Die­se Erkennt­nis fin­det sich in zahl­rei­chen wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­pli­nen wie­der. Sie gewinnt zuneh­mend auch für die Wei­ter­ent­wick­lung von Indus­try-Inte­gra­ted Prac­ti­ce-Based Hig­her Edu­ca­ti­on an Bedeu­tung.

Die Bhar­ti­ya Skill Deve­lo­p­ment Uni­ver­si­ty (BSDU) ver­folgt die­sen Ent­wick­lungs­an­satz und ent­wi­ckelt ihn im indi­schen Hoch­schul­kon­text schritt­wei­se wei­ter. Im Mit­tel­punkt ste­hen Cur­ri­cu­la, Assess­ment, Gover­nan­ce, Pedago­gy, Embedded Work­place Lear­ning, Facul­ty Deve­lo­p­ment, Qua­li­ty Assu­rance sowie die Zusam­men­ar­beit mit der Indus­trie. Gemein­sam bil­den die­se Ele­men­te den insti­tu­tio­nel­len Rah­men von Indus­try-Inte­gra­ted Prac­ti­ce-Based Hig­her Edu­ca­ti­on.

Jedes die­ser Ele­men­te erfüllt eine eigen­stän­di­ge Funk­ti­on. Sei­ne nach­hal­ti­ge Wir­kung ent­steht jedoch erst dort, wo die Bezie­hun­gen zwi­schen den Ele­men­ten bewusst gestal­tet wer­den.

Vor die­sem Hin­ter­grund stellt sich eine wei­ter­füh­ren­de For­schungs­fra­ge:

Wel­che insti­tu­tio­nel­len Bezie­hun­gen zwi­schen den Ele­men­ten einer Indus­try-Inte­gra­ted Prac­ti­ce-Based Hig­her Edu­ca­ti­on schaf­fen die Vor­aus­set­zun­gen für Gra­dua­te Com­pe­ten­ci­es, Gra­dua­te Employa­bi­li­ty und nach­hal­ti­ge Bil­dungs­qua­li­tät?

Educational Architecture

Für die­ses insti­tu­tio­nel­le Zusam­men­spiel wird im vor­lie­gen­den Bei­trag der Begriff Edu­ca­tio­nal Archi­tec­tu­re ver­wen­det. Er bezeich­net die Bezie­hun­gen zwi­schen den zen­tra­len Ele­men­ten von Indus­try-Inte­gra­ted Prac­ti­ce-Based Hig­her Edu­ca­ti­on.

Erst das abge­stimm­te Zusam­men­wir­ken die­ser Ele­men­te schafft die insti­tu­tio­nel­len Vor­aus­set­zun­gen für Gra­dua­te Com­pe­ten­ci­es, Gra­dua­te Employa­bi­li­ty und nach­hal­ti­ge Bil­dungs­qua­li­tät.

Edu­ca­tio­nal Archi­tec­tu­re bezeich­net weder ein zusätz­li­ches Bil­dungs­in­stru­ment noch eine didak­ti­sche Metho­de. Sie bil­det den insti­tu­tio­nel­len Rah­men, inner­halb des­sen Cur­ri­cu­la, Embedded Work­place Lear­ning, Gover­nan­ce, Assess­ment und die wei­te­ren Ele­men­te von Indus­try-Inte­gra­ted Prac­ti­ce-Based Hig­her Edu­ca­ti­on, ihre beab­sich­tig­te Wir­kung gemein­sam ent­fal­ten kön­nen.

Eine institutionelle Perspektive

Die inter­na­tio­na­le Aner­ken­nung des Schwei­zer dua­len Bil­dungs­sys­tems wird häu­fig mit ein­zel­nen Instru­men­ten erklärt. Betrach­tet man sei­ne insti­tu­tio­nel­le Ent­wick­lung über einen län­ge­ren Zeit­raum, ent­steht jedoch ein ande­res Bild.

Ihre beson­de­re Stär­ke liegt weni­ger in ein­zel­nen Cur­ri­cu­la oder didak­ti­schen Ansät­zen. Viel­mehr in der insti­tu­tio­nel­len Kohä­renz, mit der Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen, Wirt­schaft, Gover­nan­ce, Qua­li­täts­si­che­rung und arbeits­in­te­grier­tes Ler­nen über Jahr­zehn­te mit­ein­an­der ver­bun­den wur­den.

Gera­de die­se Per­spek­ti­ve erscheint für Insti­tu­tio­nen rele­vant, die Indus­try-Inte­gra­ted Prac­ti­ce-Based Hig­her Edu­ca­ti­on ent­wi­ckeln.

Nicht die Über­tra­gung eines bestehen­den Sys­tems steht dabei im Mit­tel­punkt. Viel­mehr geht es dar­um, insti­tu­tio­nel­le Prin­zi­pi­en in einen neu­en hoch­schu­li­schen Kon­text zu über­tra­gen und dort in eine eigen­stän­di­ge Edu­ca­tio­nal Archi­tec­tu­re zu inte­grie­ren.

Fazit

Die Über­ar­bei­tung von Cur­ri­cu­la bleibt eine unver­zicht­ba­re Vor­aus­set­zung für die Qua­li­tät von Indus­try-Inte­gra­ted Prac­ti­ce-Based Hig­her Edu­ca­ti­on. Die inter­na­tio­na­le Bil­dungs­for­schung macht jedoch deut­lich, dass ihre Wir­kung nicht iso­liert betrach­tet wer­den kann. Ent­schei­dend sind die insti­tu­tio­nel­len Vor­aus­set­zun­gen, unter denen Cur­ri­cu­la ent­wi­ckelt, umge­setzt und mit den wei­te­ren Ele­men­ten einer Bil­dungs­in­sti­tu­ti­on ver­bun­den wer­den.

Genau an die­sem Punkt setzt Edu­ca­tio­nal Archi­tec­tu­re an. Sie beschreibt den insti­tu­tio­nel­len Rah­men, inner­halb des­sen die­se Bezie­hun­gen bewusst gestal­tet wer­den kön­nen.

Weiterführende Forschungsfrage

Vor die­sem Hin­ter­grund ergibt sich eine wei­ter­füh­ren­de For­schungs­fra­ge:

Wel­che insti­tu­tio­nel­len Vor­aus­set­zun­gen schaf­fen die Grund­la­ge dafür, dass Indus­try-Inte­gra­ted Prac­ti­ce-Based Hig­her Edu­ca­ti­on Gra­dua­te Com­pe­ten­ci­es, Gra­dua­te Employa­bi­li­ty und nach­hal­ti­ge Bil­dungs­qua­li­tät her­vor­bringt?


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Rajen­dra and Ursu­la Joshi Foun­da­ti­on / Dua­lEdu Bridge India

Rolf Sie­bold

Wei­te­re Bei­trä­ge doku­men­tie­ren die Ent­wick­lung von Dua­lEdu Bridge India, sowie den Auf­bau von Indus­try-Inte­gra­ted Prac­ti­ce-Based Hig­her Edu­ca­ti­on im indi­schen Hoch­schul­kon­text. Sie fin­den uns auch auf Lin­ke­din.