Warum qualifizierte Fachtrainer das Rückgrat der Berufsbildung sind

Berufs­bil­dungs­sys­te­me sind in vie­len Fäl­len sorg­fäl­tig kon­zi­piert. Cur­ri­cu­la sind defi­niert, Stan­dards gesetzt und Pro­gram­me for­mal auf die Anfor­de­run­gen des Arbeits­mark­tes aus­ge­rich­tet. In der Pra­xis zeigt sich jedoch eine wie­der­keh­ren­de Lücke zwi­schen dem eigent­li­chen Sys­tem­de­sign und ver­läss­li­cher Umset­zung. Die­se Lücke ist ope­ra­tiv bedingt und liegt in der kon­se­quen­ten Umset­zung und im Con­trol­ling.

Häu­fig fehlt die sys­te­ma­ti­sche Steue­rung der Trai­nings­qua­li­tät. Wo Trai­ner kei­ne for­mal gere­gel­te Qua­li­fi­ka­ti­on oder stan­dar­di­sier­te Über­prü­fung durch­lau­fen, ist nicht ver­bind­lich gere­gelt, ob und wie ihre Funk­ti­on qua­li­täts­ge­si­chert erfüllt wird.

Trainer und Lernender prüfen technische Anlage und stellen Funktionsfähigkeit im Ausbildungsprozess sicher
Qua­li­tät ent­steht, wenn Umset­zung über­prüft und gesteu­ert wird.

Dies ist als Aus­druck feh­len­der struk­tu­rel­ler Ver­an­ke­rung zu ver­ste­hen. Ohne kla­re Anfor­de­run­gen, über­prüf­ba­re Qua­li­fi­ka­tio­nen und eine kon­se­quen­te Qua­li­täts­si­che­rung auf Umset­zungs­ebe­ne, bleibt die Wirk­sam­keit von Berufs­bil­dung stark von indi­vi­du­el­len Ansät­zen abhän­gig. Dies gilt auch in bereits eta­blier­ten Sys­te­men, in denen die for­mel­le Qua­li­täts­si­che­rung der Trai­ner­funk­ti­on nicht durch­ge­hend ver­bind­lich gere­gelt ist. Die Fol­ge ist eine unter­schied­li­che Qua­li­tät in der Aus­bil­dung, trotz for­mal ein­heit­li­cher Pro­gram­me.

„Berufs­bil­dung schei­tert nicht an Indi­vi­du­en, son­dern an feh­len­der struk­tu­rel­ler Ver­an­ke­rung von Qua­li­tät.“

Im Zen­trum der Umset­zung steht der Trai­ner als ver­bin­den­de Instanz zwi­schen betrieb­li­cher Rea­li­tät, cur­ri­cu­la­rer Ziel­set­zung und Leis­tungs­be­wer­tung. Die Ver­läss­lich­keit von Kom­pe­tenz­ent­wick­lung hängt davon ab, wie kon­se­quent die­se Ele­men­te im All­tag zusam­men­ge­führt wer­den.

Trainerkompetenz und Employability in India

Die Dis­kus­si­on um Employa­bi­li­ty in India ver­deut­licht die ope­ra­ti­ve Dimen­si­on von Berufs­bil­dung. Stei­gen­de Bil­dungs­be­tei­li­gung führt nicht auto­ma­tisch zu arbeits­markt­re­le­van­ter Kom­pe­tenz. Ent­schei­dend ist die Struk­tu­rie­rung von Lern­pro­zes­sen ent­lang rea­ler Arbeits­an­for­de­run­gen.

Platt­for­men wie Gene­ra­ti­on India ver­deut­li­chen, wie stark sich die Debat­te in Indi­en auf den Über­gang von Bil­dung in Beschäf­ti­gung ver­scho­ben hat. Die ent­schei­den­de Fra­ge bleibt dabei, wie die­se Wir­kung auf der Umset­zungs­ebe­ne struk­tu­rell abge­si­chert wird.

Trai­ner neh­men dabei eine zen­tra­le Rol­le in der Struk­tu­rie­rung und Steue­rung die­ser Lern­pro­zes­se ein. Die Fähig­keit, Arbeits­pro­zes­se in nach­voll­zieh­ba­re Lern­schrit­te zu über­füh­ren und Leis­tung sys­te­ma­tisch zu erfas­sen, bestimmt die Qua­li­tät der Ergeb­nis­se. Ohne die­se Ver­bin­dung bleibt Aus­bil­dung for­mal kor­rekt, ohne ihre Wir­kung im Arbeits­kon­text zu ent­fal­ten.

Strukturelle Anforderungen an Trainerqualität

Die Rol­le der Trai­ner ist in funk­tio­nie­ren­den Sys­te­men insti­tu­tio­nell ver­an­kert. Die “Schwei­zer Char­ta Berufs­bil­dung, SNG 33440:2023” beschreibt Berufs­bil­dung als gemein­sa­me Ver­ant­wor­tung von Bil­dung und Wirt­schaft und for­mu­liert kla­re Anfor­de­run­gen an die Qua­li­tät der Umset­zung. Dazu gehört die Sicher­stel­lung, dass Berufs­bild­ner über die not­wen­di­ge Qua­li­fi­ka­ti­on ver­fü­gen und unter Bedin­gun­gen arbei­ten, die eine wirk­sa­me Aus­bil­dung ermög­li­chen.

Die Trai­ner­qua­li­tät ist damit Teil der Sys­tem­ver­ant­wor­tung und nicht dem indi­vi­du­el­len Ermes­sen über­las­sen. Die Char­ta defi­niert damit nicht nur einen Refe­renz­rah­men, son­dern einen Mass­stab für die Ver­bind­lich­keit von Umset­zung.

Das neue Indus­try Men­tor Trai­ning (IMT) an der Bha­tri­ya Skill Deve­lo­p­ment Uni­ver­si­ty ope­ra­tio­na­li­siert die­se Anfor­de­rung und eta­bliert Trai­ner­ent­wick­lung als ver­bind­li­che Umset­zungs­kom­po­nen­te. Im Fokus steht die Befä­hi­gung von Trai­nern, Arbeits­pro­zes­se, Lern­zie­le und Leis­tungs­nach­wei­se sys­te­ma­tisch mit­ein­an­der zu ver­bin­den. Was als Sys­tem­an­for­de­rung defi­niert ist, wird im IMT als Umset­zungs­lo­gik ver­an­kert und die Trai­ner­qua­li­tät damit struk­tu­rell durch­ge­setzt.

Aus staat­li­cher Per­spek­ti­ve ver­schiebt die Ori­en­tie­rung an der “Schwei­zer Char­ta Berufs­bil­dung, SNG 33440:2023″ die Steue­rungs­lo­gik von Pro­gram­men, hin zur Qua­li­tät der Umset­zung (Pos. 5 aus dem 5‑Punkteplan, SNG 33440–2023). Damit rückt die Umset­zungs­ebe­ne klar in den Fokus. Die Defi­ni­ti­on kla­rer Anfor­de­run­gen an Qua­li­fi­ka­ti­on, kon­ti­nu­ier­li­che Ent­wick­lung und Qua­li­täts­si­che­rung von Aus­bil­dern lässt sich in bestehen­de Struk­tu­ren inte­grie­ren. In Ver­bin­dung mit den Ziel­set­zun­gen der Natio­nal Edu­ca­ti­on Poli­cy 2020 ent­steht ein Ansatz, der Ska­lie­rung über ver­läss­li­che Kom­pe­tenz­ent­wick­lung steu­ert.

Trainerentwicklung als Bestandteil der Systemarchitektur

In eta­blier­ten dua­len Sys­te­men ist die Qua­li­fi­ka­ti­on von Aus­bil­dern ver­bind­lich gere­gelt und in Struk­tu­ren der Wei­ter­bil­dung sowie in der Qua­li­täts­si­che­rung ver­an­kert. Dadurch wird Kom­pe­tenz­ent­wick­lung nicht dem Zufall über­las­sen.

Das Bil­dungs­pro­jekt Dua­lEdu Bridge India setzt als Refe­renz­mo­dell genau an die­ser Logik an, indem Trai­ner­ent­wick­lung als inte­gra­ler Bestand­teil der Sys­tem­ar­chi­tek­tur ver­an­kert wird. Gover­nan­ce, Indus­trie­an­bin­dung und über­prüf­ba­re Ergeb­nis­se wer­den so mit­ein­an­der ver­bun­den, dass Qua­li­täts­an­sprü­che im ope­ra­ti­ven All­tag wirk­sam umge­setzt wer­den.

Trainerqualität als Umsetzungs- und Produktivitätsfaktor

Die Wirk­sam­keit von Work-Based Lear­ning hängt direkt von der Qua­li­tät der Umset­zung ab.

Die Trai­ner über­neh­men dabei die zen­tra­le Funk­ti­on der Inte­gra­ti­on von Ler­nen­den in rea­le Arbeits­pro­zes­se, sowie der Abstim­mung zwi­schen Ziel­set­zung und prak­ti­scher Umset­zung. Ohne die­se ope­ra­ti­ve Steue­rung bleibt das Work-Based Lear­ning ledig­lich kon­zep­tio­nell. Die Trai­ner­qua­li­tät steht im direk­ten Zusam­men­hang mit der wirt­schaft­li­chen Wir­kung der Berufs­bil­dung. Die Geschwin­dig­keit, mit der Absol­ven­tin­nen und Absol­ven­ten pro­duk­tiv ein­ge­setzt wer­den kön­nen, wird durch die Qua­li­tät der ange­lei­te­ten Lern­pro­zes­se bestimmt. Pro­duk­ti­vi­tät ent­steht nicht nach der Aus­bil­dung, son­dern in ihr.

Eine ver­läss­li­che Umset­zung setzt jedoch ent­spre­chen­de Res­sour­cen vor­aus.

Erfah­rungs­wer­te aus eta­blier­ten Sys­te­men zei­gen, dass pro Ler­nen­der ein Anteil von rund 2 bis 2.5 Pro­zent eines Voll­zeit­äqui­va­lents für die Anlei­tung und Beglei­tung durch qua­li­fi­zier­te Trai­ner ein­ge­plant wer­den muss.

Nur unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen las­sen sich die qua­li­ta­ti­ven Anfor­de­run­gen, wie sie durch regu­la­to­ri­sche Rah­men vor­ge­ge­ben sind, im All­tag tat­säch­lich erfül­len. Mit der Natio­nal Edu­ca­ti­on Poli­cy 2020 wird die Bedeu­tung qua­li­fi­zier­ter Aus­bil­der auch poli­tisch adres­siert. Die zen­tra­le Her­aus­for­de­rung liegt in der Über­füh­rung die­ser Ziel­set­zung in for­mel­le Qua­li­fi­zie­rungs­an­sät­ze auf der Umset­zungs­ebe­ne.

Fazit


Die Qua­li­tät beruf­li­cher Bil­dung ent­steht in der Umset­zung. Wir­kung wird dann ver­läss­lich, wenn Arbeits­pro­zess, Lern­ziel und Leis­tungs­nach­weis im All­tag sys­te­ma­tisch zusam­men­ge­führt wer­den. Die Schwei­zer Char­ta Berufs­bil­dung, SNG 33440:2023″ for­mu­liert hier­zu kla­re Anfor­de­run­gen, indem sie die Qua­li­fi­ka­ti­on und Res­sour­cen­aus­stat­tung von Berufs­bild­nern als zen­tra­le Vor­aus­set­zung defi­niert. Ent­schei­dend ist die Über­füh­rung die­ser Anfor­de­rung in die Pra­xis.

Mit unse­rem Indus­try Men­tor Trai­ning IMT wird die­se For­de­rung kon­kret umge­setzt. Trai­ner wer­den gezielt befä­higt, ihre Rol­le qua­li­täts­ge­si­chert wahr­zu­neh­men und Lern­pro­zes­se ent­lang rea­ler Arbeits­pro­zes­se struk­tu­riert zu steu­ern.

Damit wird Berufs­bil­dung nicht nur gestal­tet, son­dern ver­läss­lich wirk­sam.


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JCF Pro­gram­me Team
Rajen­dra and Ursu­la Joshi Foun­da­ti­on / Dua­lEdu Bridge India

Rolf Sie­bold

Wei­te­re Ein­bli­cke in die Ent­wick­lung von Skill Uni­ver­si­ties und pra­xis­ori­en­tier­ter Hoch­schul­bil­dung fin­den Sie auf der Lin­ke­dIn-Sei­te von Dua­lEdu Bridge India.